120 Jahre Enzyklika Rerum Novarum: Wichtige Basis für katholisch-sozial orientierte politische Bildungsarbeit – Erklärung des AKSB-Vorstandes – Die Sozialenzyklika Rerum Novarum ist für den Vorstand der AKSB ein zentrales Dokument kirchlicher Lehre. In ihm werden grundlegende Standards sozialer Gerechtigkeit und Ordnung benannt, die auch heute noch für die Weiterentwicklung der Arbeit katholisch-sozial orientierte Bildungswerke eine wichtige Basis darstellen. Der in dieser Sozialenzyklika thematisierte Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit und ihr Eintreten für die soziale Gerechtigkeit zeigen deutlich: es sind zumeist strukturelle Ordnungsprobleme und nicht in erster Linie das Verhalten von Einzelnen, welche zu Ungerechtigkeit und Exklusion führen. Aus Anlass des 120. Jahrestages der Veröffentlichung der Enzyklika Rerum Novarum verweist daher der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke in der Bundesrepublik Deutschland (AKSB) an die bleibende Notwendigkeit des Nachdenkens und der Vergewisserung der tragenden Werte und Prinzipien der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ordnungen und Strukturen. Mit der Veröffentlichung der ersten Sozialenzyklika durch Papst Leo XIII. am 15. Mai 1891 wurde die Entwicklung der modernen päpstlichen Sozialverkündigung begründet. Seitdem stellt die Katholische Soziallehre, gerade auch in der gegenwärtigen Situation, eine wichtige Quelle kritischer Reflexion dar, die viele Anregungen zur Lösung der sozialen Fragen bietet.
Das Jubiläum von Rerum Novarum bietet Gelegenheit, die Positionen der Soziallehre wieder stärker in den öffentlichen Diskurs zu rücken. Die Antwort auf diese Ordnungsprobleme war die Entwicklung von grundlegenden Prinzipien, welche für eine gerechte Ordnung wesentlich sind: Personalität, Solidarität, Subsidiarität und Gerechtigkeit. Im Zeitalter der ökologischen Krise ist in der weiteren Entwicklung der kirchlichen Sozialverkündigung die Nachhaltigkeit als weiteres Prinzip hinzugekommen. Die Bedeutung von Rerum Novarum für die weitere Auseinandersetzung der katholischen Kirche mit der modernen Gesellschaft wird in den weiteren Sozialenzykliken Quadragesimo anno von Pius XI. (1931), Mater et Magistra von Johannes XXIII. (1961), Octogesima adveniens von Paul VI. (1971) und Centesimus Annus von Papst Johannes Paul II. (1991), die jeweils zu den Jubiläen von Rerum Novarum im Rückbezug auf die erste Sozialenzyklika veröffentlicht wurden. Diese Tradition belegt die Produktivität und Fruchtbarkeit von Rerum Novarum im Blick auf aktuelle Herausforderungen. Für die AKSB ist die von Rerum Novarum ausgehende kirchliche Sozialverkündigung grundlegend. Die Konvention für katholisch-sozial orientierte politische Bildung der AKSB nimmt diese Positionen und Erkenntnisse in aktueller Form auf und setzt die Impulse in ihrer Bildungsarbeit für eine gerechte und solidarische Entwicklung unserer heutigen Zeit um.
Die AKSB ist in ihrer Arbeit eng der Tradition der Sozialenzykliken verpflichtet. In den Seminaren der politischen Bildung, die von ihren Mitgliedseinrichtungen angeboten werden, bilden die genannten Prinzipien dieser Sozialethik den Reflexionshintergund und bieten auch jungen Teilnehmenden eine verlässliche Orientierung bei der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen. Dies zeigt sich an den Rückmeldungen auf das vielfältige Bildungsangebot der AKSB zu aktuellen Themenfeldern gesellschaftlicher Gestaltungsaufgaben (Migration, Demokratiepraxis, Partizipation, aktive Bürgerschaft). Hamminkeln, den 17. Mai 2011 Informationen zur AKSB: Die AKSB ist die katholische Fachorganisation für politische und sozialethische Bildung mit rund 60 Mitgliedseinrichtungen in ganz Deutschland. Mit ihrem Bildungsangebot erreicht sie jährlich rund 20.000 Teilnehmende. Themen sind u.a.: Wirtschaft, Finanzen, Arbeitsgesellschaft, Menschenrechte, Extremismus, Europa, Religion sowie Schülervertretungsarbeit und Partizipation in der Gesellschaft.
Mitteilung wurde am 17.05.2011 veröffentlicht.