"Zwischenfazit" über Gesamtschule

Vorgesehen wurde 1972, nach 10 Versuchsjahren zu entscheiden, ob die Gesamtschule das bessere Konzept sei, und im positiven Fall sollte sie als alleinige Schulform eingeführt werden. Die Bewertung blieb strittig. 1982 endete der Schulversuch "Gesamtschule". Je nach parteipolitischer Ausrichtung der Regierung der einzelnen Bundesländer wurden diese Versuche als hochgradig erfolgreich angesehen oder für gescheitert erklärt.

Hier drei Beispiele: Berlin baute die Gesamtschule zur Regelschule aus, Bayern löste fast alle Gesamtschulen bis 1993 wieder auf (Ausnahmen: Bertolt-Brecht-Gesamtschule Nürnberg (aufgelöst 2004), schulartunabhängige Orientierungsstufe München-Neuperlach, Gesamtschule Hollfeld und Willy-Brandt-Gesamtschule München) und Nordrhein-Westfalen entwickelte danach eine gemischte Schullandschaft, in der ein dreigliedriges System neben vielen Gesamtschulen existiert.

Konzeptionell als Alternative zum dreigliedrigen System gedacht, konkurriert die Gesamtschule aber gegenwärtig mit den anderen Schulformen, insbesondere mit den Gymnasien um den Abschluss Abitur sowie vor allem mit Hauptschulen bei der Rekrutierung von neuen Schülern. Der ursprünglich beabsichtigte sozialpolitische Effekt (Motto: Miteinander und voneinander lernen, um miteinander leben zu lernen) kann somit heute nicht mehr erreicht werden.

Die Schülerschaft vieler Gesamtschulen spiegelt nicht das gesamte Leistungsspektrum eines Jahrgangs wieder. Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung kam zu dem Fazit, dass die Leistungen an den Gesamtschulen deutlich schlechter sind als an Gymnasien. Dies hat jedoch nicht zwingend mit einem schlechterem Konzept zu tun, sondern vielmehr damit, dass die meisten Gesamtschulen vorwiegend von Schülern mit Hauptschulempfehlungen besucht werden.

Gesamtschulen werden mancherorts weniger aus pädagogischen Gründen als aus kommunalpolitischen und demografischen errichtet: Die Unterhaltung eines gemeinsamen Schulzentrums er scheint gerade kleineren Gemeinden als eine kostengünstige Alternative zum traditionellen System. Der Rückgang der Schülerzahlen erlaubt nicht mehr die Verteilung auf mehrere Schulformen, um ein wohnortnahes Schulangebot zu erhalten. In einer kooperativen (auch additiven) Gesamtschule wird die Zwei- oder Dreigliedrigkeit des Schulsystems nicht aufgehoben. Man erhofft sich vorrangig Synergieeffekte durch diese räumliche oder organisatorische Zusammenlegung. Die ursprüngliche Form des Unterrichtes (Gemeinsam lernen) von Gesamtschule wird hierbei um mehrere Jahre verkürzt.