Grundschule

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Grundschule in Deutschland. In der Schweiz wird die Grundschule als Primarschule bezeichnet, in Österreich als Volksschule.

Deutschland
Modernisierte Grundschule in Schnaittach
Modernisierte Grundschule in Schnaittach
Grundschule in Treia im Stil der 1970er-Jahre
Grundschule in Treia im Stil der 1970er-Jahre

Der Begriff Grundschule umfasst in Deutschland die ab Ende der 1960er Jahre aus den unteren Klassen der Volksschulen hervorgegangenen Schulen, die von Kindern der Klassen 1 bis 4 (nur in Berlin und Brandenburg Kl. 1 bis 6) besucht werden. Diese umfasst die Alterstufen von etwa 6 bis 10 Jahren bzw. 12 Jahren. Vor und in der Kaiserzeit hieß die Grundschule im deutschen Sprachraum Elementarschule, eine Benennung, die sich bis heute im Englischen als Elementary School und Italienischen als scuola elementare gehalten hat. In Deutschland wurde die Grundschule erstmalig durch das Reichsgrundschulgesetz (1920) eingeführt. Die Vorklassen der Gymnasien entfielen.

In der Regel wurden in der Grundschule bislang Jahrgangsklassen gebildet. Aktuelle politische Trends in einzelnen Bundesländern wie NRW zielen allerdings auf die Einrichtung jahrgangsübergreifender Eingangsstufen der Klassen 1 und 2, in denen dann Kinder aus beiden Jahrgängen gemeinsam unterrichtet werden sollen. Auch können bei geringer Schülerzahl pro Jahrgang sogenannte kombinierte Klassen gebildet werden, die aufeinanderfolgende Jahrgänge zusammenfassen. Bislang gibt es in den Bundesländern noch sogenannte Grundschulbezirke (auch Schulsprengel). Diese Bezirke sollen einer Ghettoisierung der Grundschulen entgegenwirken. In Nordrhein-Westfalen werden 2008 die Grundschulbezirke aufgehoben, d. h. die Eltern können frei entscheiden, in welche Schule sie ihre Kinder schicken. An dieser Aufhebung wird kritisiert, dass der soziale Ausleseprozess vorverlegt und vorangetrieben werde (Segregation).

In der Grundschule sollen grundlegende Lern- und Arbeitsformen sowie mathematische, sprachliche und sachunterrichtliche Kenntnisse vermittelt werden, die das Fundament der weiterführenden Schulbildung auf Hauptschule, Realschule, Gymnasium oder Gesamtschule legen. Daneben sind auch ästhetische, kulturelle und oft auch religiöse Themen Gegenstände des Unterrichts.

In der Regel gibt es für jede Schulklasse einen Klassenlehrer (Klassenlehrerprinzip), der diese Klasse die ganze Grundschulzeit hindurch oder im zweijährigen Wechsel in einer Reihe von Fächern unterrichtet. Dieses wird damit begründet, dass es für Kinder im Grundschulalter wichtig ist, eine feste Bezugsperson zu haben. Kritik hieran wird häufig aus zwei Gründen geübt: Zum einen sind Grundschullehrer oftmals (in NRW sind bspw. 3 Unterrichtsfächer Pflicht) nur für zwei Unterrichtsfächer ausgebildet, wodurch ihnen in den übrigen Fächern sowohl Wissen als auch fachdidaktische Kenntnisse fehlen können. Zum anderen gibt es einen starken Zusammenhang zwischen den Unterrichtsmethoden des Lehrers und den Lernerfolgen der Schüler. Dass meistens über die ganze Grundschulzeit überwiegend eine Lehrerkraft unterrichtet, kann im Fall eines schlecht unterrichtenden Lehrers oder persönlicher Anpassungsschwierigkeiten von Lehrer und Schüler erhebliche negative Konsequenzen für die Schüler haben.

Das Fächerspektrum und die Nomenklatur in den jeweiligen Bundesländern ist differenziert. Mathematik, Deutsch und Sachunterricht zählen zu den Hauptfächern.

Das gemeinsame Lernen von Kindern aller Leistungsstufen wird unterschiedlich beurteilt, insbesondere da begabteren Kindern häufig keine angemessene Förderung zuteil wird. Einige sehen allerdings die Vorteile des gemeinsamen Lernens als durch Studien belegt an. Der PISA-Test kann so gedeutet werden, dass gemeinsames Lernen für die Sekundarstufe I Vorteile bringt; dadurch begann in Deutschland eine generelle Debatte zur Reform des deutschen Schulsystems. Dabei wurde unter anderem auch eine Ausweitung der Grundschule auf das sechste oder neunte/zehnte Schuljahr gefordert. Neue Nahrung erhielt diese Forderung durch weitere Studien. So stellte die Internationale Grundschul-Leseuntersuchung IGLU-Studie fest, dass Grundschüler und Grundschülerinnen international sehr viel besser abschnitten als die 15jährigen. Nacheinander stellten die zweite IGLU-Studie, der Ländervergleich der zweiten PISA-Studie und die Langzeituntersuchung der AWO-Studie fest, dass regelmäßig Schüler und Schülerinnen mit nicht-akademischen oder finanziell schlechter gestellten Eltern trotz gleich guter oder besserer Noten eine niedrigere Schullaufbahnempfehlung durch die Lehrkräfte erhielten. Die Kultusministerkonferenz sah daraufhin lediglich Handlungsbedarf in der Sensibilisierung der Lehrkräfte, nicht aber in einer Änderung der sehr frühen Selektion.