Gymnasien in verschiedenen Ländern

Bundesrepublik Deutschland

In der Bundesrepublik Deutschland besteht das Gymnasium im Rahmen des dreigliedrigen Schulsystems, wenn man die Sonder-/Förderschulen außer Betracht lässt. Andere Schulformen (zum Beispiel Berufskollegs) benutzen die Bezeichnung "Gymnasiale Oberstufe". Mit der Bezeichnung "Höhere Schule" war früher ausschließlich das Gymnasium gemeint; heute schließt die umgangssprachliche Bezeichnung auch andere Schulformen ein. Ein Gymnasium für Mädchen hieß früher Lyzeum.

In Deutschland beginnt das Gymnasium in den meisten Bundesländern mit der Klasse 5 (Sexta), in Berlin, Brandenburg nach Beendigung der sechsjährigen Grundschule. In Mecklenburg-Vorpommern besuchen die Schüler seit 2006 gemeinsam in der 5. und 6. Klasse die Regionale Schule. In Niedersachsen existierte seit Mitte der 1970er Jahre bis zum 1. August 2004 eine Orientierungsstufe in Klasse 5 und 6 für alle Schüler. Die Gymnasien begannen in dieser Zeit erst mit Klasse 7.

Die reguläre Dauer der Ausbildung an einem Gymnasium bis zum Abitur betrug in der Regel neun Schuljahre (Abschluss: 13. Jahrgangsstufe). In einigen östlichen Bundesländern blieb es auch nach dem Beitritt zur Bundesrepublik bei acht Schuljahren, also Abschluss nach Jahrgangsstufe 12. Seit 2004 stellen alle Bundesländer auf das Abitur in der 12. Klasse (G8) um. In Rheinland-Pfalz gibt es seit dem Abiturjahrgang 2002 nach einer verkürzten Schulzeit das Abitur nach zwölfeinhalb Jahren Gesamt-Schulzeit.

Die Lehrpläne bzw. Rahmenpläne für die Gymnasien der Kultusministerien legen in einigen Bundesländern grundsätzliche Ausbildungsinhalte und ihre Platzierung im Curriculum nach definierten Zweigrichtungen fest. In anderen Bundesländern sind die traditionellen Zweige durch Wahlmöglichkeiten der Schüler abgeschafft.

Je nach Schulfinanzierung oder Personalaufwandsträger wird zwischen staatlichen, kommunalen und privaten (auch: kirchlichen) Gymnasien unterschieden. Von den privaten beziehungsweise kirchlichen Gymnasien führen staatlich anerkannte als auch staatlich genehmigte zur Abiturprüfung. Aufgrund der Schulfinanzierungsgesetze werden aber alle privaten Gymnasien zu etwa 65–85 % aus öffentlichen Geldern finanziert.

In der DDR (1949–1990) gab es kein gegliedertes Schulsystem – an diese Stelle trat die Einheitsschule. Auf sie folgte anfangs ab der 9. Klasse, am Ende ab der 11. Klasse die vier- bzw. zweijährige Erweiterte Oberschule (EOS). Die Alliierten haben nach dem Zweiten Weltkrieg in der Direktive Nr. 53 von 1947 den Aufbau eines gesamtschulartigen Schulsystems gefordert, in dem für das traditionelle Gymnasium kein Platz mehr gewesen wäre. In der DDR konnte das Gymnasium nur mit diktatorischen Mitteln aufgehoben werden. Nach 1990 wurde es auf Wunsch der Bevölkerungsmehrheit in den neuen Bundesländern wieder eingeführt.

Im Schuljahr 2005/2006 umfasste Deutschland 3.096 Gymnasien[1] (24 weniger als im Vorjahr) mit 2,43 Millionen Schülern (ca. 27.000 mehr als im Vorjahr[2]). Die Schüler werden in 62.430 Klassen[3] von 163.500 Lehrern (davon ca. 73,6 % Frauen) unterrichtet.[4]

Schweiz

In der Schweiz wird das Gymnasium (Sekundarstufe ?) in einigen Kantonen als Kantonsschule bezeichnet, in anderen aber als Gymnasium. Französischsprachige Kantone nennen das Gymnasium Gymnase, Collège (Kollegium) oder selten noch Lycée (Lyzeum) in Anlehnung an die französische Schulform. Siehe: Kantonsschule.

In der Schweiz gibt es derzeit 170 Gymnasien mit 63.400 Schülern (Stand 2003). Seit 1993/1994 ist der Frauenanteil größer als der Männeranteil und beläuft sich mittlerweile (Stand 2003/2004) auf 56 %. 2004 wurden rund 16.000 Maturitätszeugnisse ausgestellt (Daten IDES 2004/2005).

Österreich

In Österreich wird der Teil der allgemeinbildenen höheren Schule (AHS), der humanistische Fächer als Schwerpunkt hat, als Gymnasium bezeichnet. Daneben gibt es das Realgymnasium und das wirtschaftskundliche Realgymnasium, bei denen die Unterschiede in den einzelnen Schwerpunkten jedoch nicht sehr groß sind.

Das Gymnasium ist in zwei Abschnitte mit jeweils vier Jahren gegliedert:

  • Unterstufe (5. bis 8. Schulstufe)
  • Oberstufe (9. bis 12. Schulstufe)

In einem Gymnasium werden sowohl Unter- als auch Oberstufe angeboten, in einem Oberstufenrealgymnasium nur die Oberstufe. Sowohl Unter- als auch Oberstufe sind in Klassen gegliedert. Die Nummerierung der Klassen beginnt üblicherweise mit jeder Schule neu, das heißt die 5. Schulstufe im Gymnasium entspricht der 1. Klasse.

Der Übertritt von der Hauptschule in ein Gymnasium ist möglich, wenn der Schüler die Fächer Deutsch, Mathematik und lebende Fremdsprache in der besten Leistungsgruppe besucht hat und alle anderen Fächer mit "befriedigend" (3) oder besser beurteilt wurden.

In der 5. Schulstufe wird als erste lebende Fremdsprache meist Englisch gelehrt. Im humanistischen und neusprachlichen Profil wird diese in der 7. Schulstufe durch eine zweite Fremdsprache ergänzt (Latein, Italienisch oder Französisch) oder man wählt jenen Schulzweig, der sich mehr auf Mathematik und die Naturwissenschaften bezieht (Realgymnasium). Die Unterstufe des Realgymnasiums entspricht von den Fächern her weitgehend der Hauptschule.

Zu Beginn der Oberstufe wird in allen Zweigen eine weitere Sprache angeboten – eine zweite Sprache im Realgymnasium, eine dritte in neusprachlichen und humanistischen Gymnasien. Dabei handelt es sich meist um die Sprachen Französisch, Italienisch, Latein oder Spanisch, im humanistischen Gymnasium Altgriechisch, Russisch oder Französisch. Ab der 10. Schulstufe können die Schüler außerdem eigene Schwerpunkte setzen. Dazu müssen sie ein begrenztes Stundenkontingent in Wahlpflichtgegenstände investieren.

In der 11. und 12. Schulstufe können sich die Schülerinnen und Schüler üblicherweise zusätzlich zwischen den Fächern "Musikerziehung" und "Bildnerische Erziehung" entscheiden. Diese Entscheidung ist wichtig, wenn man in einem dieser Gegenstände maturieren will. In jenem Fach, das man nicht wählt, kann man auch keine Matura machen.

In den 1960er Jahren waren Bestrebungen im Gange, die normale AHS auf neun Jahre auszudehnen. Dies wurde auch zwei Jahre durchgeführt. Dieses Vorhaben wurde dann aber wieder aufgegeben.

Eine Sonderform stellen in Österreich Gymnasien des Schultyps "Werkschulheim" (Realgymnasium mit handwerklicher Ausbildung) dar, die in der gymnasialen Oberstufe eine parallele Handwerksausbildung vermitteln (wie zum Beispiel das Werkschulheim Felbertal und das Evangelische Gymnasium mit Werkschulheim in Wien).

Die Notenskala in Österreich umfasst fünf Noten: sehr gut (1), gut (2), befriedigend (3), genügend (4), nicht genügend (5).

In Österreich existieren derzeit 327 Gymnasien, Realgymnasien und Oberstufenrealgymnasien.

Italien

In Italien gibt es fünf Arten von Gymnasien (Liceo):

  • Das Humanistische Gymnasium (Liceo Classico) legt seinen Schwerpunkt auf den humanistischen Bereich und auf alte Sprachen wie Latein und Griechisch.
  • Das Realgymnasium (Liceo Scientifico) hat seinen Schwerpunkt im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich.
  • Das neusprachliche Gymnasium (Liceo Linguistico) hat seinen Schwerpunkt im Bereich der modernen Fremdsprachen.
  • Das Kunstgymnasium (Liceo Artisitco) legt seinen Schwerpunkt auf Kunsterziehung.
  • Das Pädagogische Gymnasium (Liceo Pedagogico Sociale) ist auf Pädagogik und Sozialwesen ausgerichtet.

Alle fünf Gymnasien haben gemeinsam, dass sie eine gute Basis an Allgemeinwissen vermitteln, Latein lehren und auf ein weiterführendes Studium ausgerichtet sind.

Frankreich

In Frankreich führt das sogenannte Lycée zum Baccalauréat, welcher für unterschiedlichste wissenschaftliche Fächer sowie berufliche Tätigkeiten herausgegeben wird. In Frankreich verfügen deshalb rund 40 Prozent der arbeitstätigen Bevölkerung über einen solchen Abschluss. Das Besondere am französischen System ist, dass der Baccalauréat trotz gymnasialer Ausbildung ein Universitätsschulabschluss ist: Die Abschlussprüfungen werden von der Universität geleitet, und die Prüfungsleistung hat erhebliche Konsequenzen auf das spätere Studium.

Polen

Seit der polnischen Bildungsreform 1999 folgt auf die Grundschule (szkola podstawowa) (6 Jahre) zunächst eine Mittelschule mit der Bezeichnung gimnazjum (3 Jahre), deren Besuch für alle Schüler verpflichtend ist. Danach kann an einem lyceum (Oberschule - verschiedene Varianten) in weiteren 3 Jahren die Hochschulreife erworben werden. Vor 1999 gab es das gimnazjum nicht, statt dessen schlossen das lyceum (4 Jahre) und andere weiterführende Schulformen direkt an die Grundschule (8 Jahre) an.