Struktur von Gymnasien

Fachrichtungen

Nach den Fachprofilen unterscheidet man traditionell das

  • Humanistische Gymnasium (HG) mit Schwerpunkt bei den alten Sprachen (Latein, Altgriechisch). Das Interesse am altsprachlichen Unterricht nimmt zur Zeit wieder zu, Lehrer unterrichten teils fachfremd. (FAZ, 21. April 2006).
  • Neusprachliche Gymnasium (NG) mit Schwerpunkt bei den neuen Sprachen (früher auch Athenäum genannt) – siehe auch zweisprachiger Unterricht. Manchmal auch je nach erster Fremdsprache mit NGE (Englisch), NGL (Latein) oder NGF (Französisch) abgekürzt.
  • Mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium (MNG, früher: Realoberschule oder Oberrealschule, in Österreich Realgymnasium, in Bayern seit 2003: Naturwissenschaftlich-technologisches Gymnasium (NTG), da Mathematik in allen Fachprofilen gleich intensiv unterrichtet wird)

Häufig sind das mathematisch-naturwissenschaftliche und neusprachliche Profil kombiniert. In manchen Bundesländern (zum Beispiel Nordrhein-Westfalen) ist diese Unterteilung offiziell aufgehoben und lebt höchstens insoweit fort, als einige Traditionsschulen im Rahmen der allgemeinverbindlichen Regelungen ein eigenes Profil pflegen, zum Beispiel nur Latein als erste Fremdsprache anbieten. In anderen Bundesländern werden die Fachprofile durch unterschiedliche Stundentafeln mit Leben gefüllt. In Bayern sind Humanistisches und Neusprachliches Gymnasium zum Sprachlichen Gymnasium zusammengefasst.

Spezielle Profile haben das

  • Europäische Gymnasium mit Schwerpunkt auf Sprachen, drei Fremdsprachen werden gelehrt, eine vierte ist als Wahlpflichtfach möglich
  • Musisches Gymnasium (MuG) mit Schwerpunkt auf Deutsch, Kunst und Musik mit einem Pflichtinstrument
  • Musikgymnasium
  • Sportgymnasium
  • Sozialwissenschaftliche Gymnasium (SWG)
  • Wirtschaftswissenschaftliche Gymnasium (WWG)
  • Gymnasien mit dem Abschluss International Baccalaureate
  • Gymnasium Laucha an der Unstrut (Schwerpunkt Luft-/Raumfahrt)

sowie

  • Berufliche Gymnasien (zum Beispiel Technisches Gymnasium, Wirtschaftsgymnasium, Ernährungswissenschaftliches Gymnasium, Agrarwissenschaftliches Gymnasium, Biotechnologisches Gymnasium etc.).
  • Gymnasiale Oberstufe des Zweiten Bildungsweges: Abendgymnasium und Kolleg

Im Gegensatz zum Unterricht in den Gymnasien sind die Fachoberschule mit dem Abschluss der Fachhochschulreife und die Berufsoberschule mit dem Abschluss der Allgemeinen Hochschulreife praxisnäher und stärker berufsbezogen.

Gliederung

Der gymnasiale Bildungsgang gliedert sich nach dem klassischen Modell (G9) in

  • Sekundarstufe ? (Klassen 5/7–10) und
  • Sekundarstufe ? oder Oberstufe (Klassen 11–12 oder 11–13, je nach Dauer der Schulzeit), oft als Reformierte Oberstufe

Mit der Einführung des achtjährigen gymnasialen Ausbildungsganges (G8) in allen Bundesländern ändert sich in mehreren Ländern die Gliederung in

  • Sekundarstufe ? (Klassen 5–9) und
  • Sekundarstufe ? (Klassen 10–12)

Die Klassen 5–6 haben in manchen Bundesländern als Orientierungsstufe einen Sonderstatus, der den Wechsel zwischen verschiedenen Schulformen erleichtern soll. Da aber beim Modell "G8" die zweite Fremdsprache am Gymnasium bereits in der Klassenstufe 6 einsetzt, wird dieser Wechsel zukünftig nicht mehr hin zum Gymnasium funktionieren.

Nach überwiegender Nomenklatur gliedert sich die Sekundarstufe ? in

  • Unterstufe (Klassen 5–7, demnächst 5/6) und
  • Mittelstufe (Klassen 8–10, demnächst 7–9)

In Österreich unterscheidet man ebenfalls nur Unterstufe (5–8) und Oberstufe (9–12). In Hessen dagegen heißen in offiziellen Texten die Klassen 5–10 Mittelstufe, da der Begriff Unterstufe als deutsche Übersetzung von "Primarstufe" angesehen wird. In Hamburg erstreckt sich die Unterstufe traditionell auf die 5. und 6. Klasse, daran schließt sich die Mittelstufe an.

Wer die 10. Klasse (bzw. 9. bei G8) des Gymnasiums erfolgreich abschließt, erwirbt in einigen Bundesländern neben der Berechtigung zum Besuch der Oberstufe (Oberstufenreife) auch den mittleren Schulabschluss der Realschule (Mittlere Reife) ohne weitere Abschlussprüfung, in anderen Bundesländern muss dafür eine Externenprüfung an einer Realschule abgelegt werden.

Mit Beginn des Schuljahres 2006/2007 wird in Nordrhein-Westfalen am Ende der Mittelstufe eine zentrale Abschlussprüfung stattfinden mit schriftlichen Prüfungen in allen Hauptfächern.

Die Sekundarstufe ? bildet die gymnasiale Oberstufe; sie ist häufig als Kurssystem ausgestaltet.

Die Oberstufe enthält neben der 11. Klasse auch die Kollegstufe, in der die Schüler ihre Schwerpunkte auf ein Haupt- und ein Nebenfach legen können. Diese beiden Fächer werden auch mit besonderem Augenmerk in der Abiturprüfung abgefragt. Hauptvorteil der Schwerpunktsetzung ist für die meisten Schüler die Abwahl einer Fremdsprache oder einer Naturwissenschaft. In Rheinland-Pfalz nennt man die Oberstufe Mainzer Studien-Stufe, in der als Besonderheit die Leistungskurse schon ab Klasse 11 beginnen und ab 11/2 ins Abitur eingehen. Es gibt hier drei Leistungskurse von denen einer zum Abitur hin auf Grundkurs abgestuft wird.

Bezeichnungen der Jahrgangsstufen

An den deutschen Gymnasien wurden traditionell die Jahrgangsstufen 5 bis 13 (bzw. 12) des Gymnasiums mit absteigenden lateinischen Zahlwörtern bezeichnet, wobei von der Abschlussklasse aus gezählt wurde.

  • Sexta (unterste Jahrgangsstufe = 5)
  • Quinta
  • Quarta
  • Tertia (später: Untertertia und Obertertia)
  • Sekunda (später: Untersekunda und Obersekunda)
  • Prima (Unterprima und Oberprima) (letzte Jahrgangsstufe = 13)

Zulassung

In den meisten Bundesländern entscheiden die Eltern über den Besuch der weiterführenden Schule. Selten wird die Grundschulempfehlung verpflichtend gemacht, was vor dem Hintergrund der Ergebnisse der IGLU-Studie auch wenig sinnvoll wäre: Ca. die Hälfte der Empfehlungen bilden sich in den späteren Abschlüssen nicht ab. Eltern entscheiden sich häufig gegen die Grundschulempfehlung (30 % senden ihre Kinder an eine höheren Schulform, 15 % auf eine niedrigere Schulform). Eltern, die sich gegen die Empfehlung richten, haben meist recht (siehe Gutachten des DIPF zur Oriertierungsstufe in Niedersachsen sowie die Zahlen aus den Gesamtschulen). Aber selbst wenn sich die Eltern an die Empfehlung halten, ist der zukünftige Lernweg nicht gesichert, was an den Zahlen zur Abschulung und zum Sitzenbleiben deutlich wird.

Wissenswertes

Gymnasiallehrer werden in Österreich (bis 1918 auch im Deutschen Reich) meist mit "Professor" angeredet, obwohl diese Bezeichnung streng genommen pragmatisierten (verbeamteten) Lehrern vorbehalten ist. Diese Anrede war lange noch auch in Bayern üblich ("Klassprofessor"), ist aber nach 1968 allmählich untergegangen.