Bearbeitungen des Themas in der Literatur (Internat)

In zahlreichen Romanen, Erzählungen und anderen Genres der seriösen Literatur ist seit dem Mittelalter und in fast allen europäisch geprägten Literaturen das soziale Beziehungsgefüge und das des öfteren gefährdete Innenleben von Internatszöglingen immer wieder unter verschiedenen Blickwinkeln bearbeitet worden. Die entsprechenden Texte werden unter dem literaturwissenschaftlichen Begriff Internatsliteratur zusammengefaßt.

Aus dem frühen 20. Jahrhundert stechen etwa hervor Robert Musils Die Verwirrungen des Zöglings Törleß, Hermann Hesses Unterm Rad und Robert Walsers Jakob von Gunten. Der Sadismus in einer Kadettenanstalt des k.u.k Österreichs mag zeithintergrundsbedingt und mentalitätsgeschichtlich nicht sehr viel mit heutigen Rahmenbedingungen gemeinsam haben, aber er ist doch ein bedeutendes literaturhistorisches Warnzeichen, was ohne Weiteres hinter den offiziellen Regularien möglich war und wohl auch weiter sein wird.

Die Liste der Bearbeitungen des Themas reißt auch in der Gegenwartsliteratur nicht ab. 1997 erschien der Roman-Erstling des Ex-Salemers Christian Kracht (Christian Kracht: Faserland, Goldmann-Verlag 1997), der einen eindrucksvollen Einblick in die Welt der Salem-Schickeria der 70er Jahre gibt. Ein 2006 neu erschienenes Buch, der Debütroman Warum du mich verlassen hast des FAZ-Kulturkorrespondenten in Madrid, Paul Ingendaay, wurde aufgrund vorwiegend positiver Rezensionen für den Preis der Leipziger Büchermesse nominiert, und Ingendaay erhielt in demselben Jahr für seinen Erstling den Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld. Er verarbeitet darin seine genauen Kenntnisse und Erfahrungen im Collegium Augustinianum Gaesdonck am Niederrhein. Es spielt in den 70er Jahren. Eine gute Kurzbesprechung dieses Romans findet sich unter http://www.poetenladen.de/prints/kbendixen-ingendaay-print.html .