Die Matura in der Schweiz

Auch beim Schweizer Bildungssystem wird die Reifeprüfung als Matura bezeichnet. Die gegenwärtige Struktur der Reifeprüfung (Matur) in der Schweiz wurde 1995 eingeführt; (siehe auch Berufsmatura).

Matura vor 1995

Die alte Maturitätsanerkennungsverordnung (MAV) aus den 1960er Jahren erteilte je nach Profil folgende fünf Typen von Maturitätszeugnissen:

  • Typus A: altsprachliches Literargymnasium mit Griechisch und Latein
  • Typus B: Literargymnasium mit Latein und Englisch bzw. der dritten Schweizer Landessprache (in der Deutschschweiz: Italienisch)
  • Typus C: mathematisch-naturwissenschaftliches Realgymnasium
  • Typus D: neusprachliches Literargymnasium
  • Typus E: Wirtschaftsgymnasium


Neben diesem typusspezifischen Fächerkanon galten folgende Fächer für alle Maturitätszeugnisse als Grundlage: Deutsch, zweite Landessprache (in der Deutschschweiz: Französisch), Geschichte, Geografie, Mathematik, Biologie, Physik, Chemie, Musik oder Kunst. Zudem wurde Sport als nicht zählendes Fach in das Maturitätszeugnis eingetragen. Einige Kantone hatten zusätzlich spezielle weitere Fächer, wie etwa Philosophie. Je nach Typus wurden verschiedene, sog. Kernfächer, im Maturitätszeugnis doppelt gezählt.

Weiter vergaben Seminarien Lehramts-Zeugnisse, die ebenso zum prüfungsfreien Eintritt in die Universitätsstufe berechtigten. Heute gilt diese Einteilung nicht mehr.

Matura ab 1995

Wurde bis 1995 zwischen verschiedenen Maturitätsprofilen unterschieden, stellt sich der Schüler nun nach bestimmten Regeln durch die Wahl von Maturitätsfächern selbst ein Unterrichtsprogramm zusammen (neues Maturitätsanerkennungsverordnung MAV vom 15. Februar 1995)[2].

Die Prüfung findet in fünf Fächern statt, die schriftlich und mündlich geprüft werden (in einigen Kantonen entfällt bei nichtsprachlichen Fächern die mündliche Prüfung, in anderen Kantonen gilt dies nur für Mathematik):

  • Erstsprache
  • zweite Landessprache
  • Mathematik
  • Schwerpunktfach
  • ein weiteres Fach; die Bedingungen für die Wahl dieses Faches legen die Kantone, teilweise sogar die einzelnen Schulen, fest.


Die Ergebnisse dieser Prüfungen fließen zu 50 % in die Endnote des Faches ein, die Note des letzten Jahres zählt ebenfalls 50 %. In den Fächern ohne Maturitätsprüfung zählt nur die Note des letzten Jahres. Gerundet wird grundsätzlich in Richtung der Prüfungsnote oder auch mathematisch, es werden nur halbe Noten erteilt (6, 5.5, 5, 4.5 etc.).

Die Maturitätsprüfung gilt als bestanden wenn die doppelte Summe aller Notenabweichungen von 4 nach unten nicht größer ist als die einfache Summe aller Notenabweichungen von 4 nach oben und nicht mehr als drei Noten unter 4 erteilt wurden.

Das Ergebnis der eidgenössischen Matura setzt sich aus den Leistungen der neun Maturitätsfächer zusammen. An kantonalen Gymnasien wird jeweils eine kantonale Matura verliehen, die eidgenössisch anerkannt ist; in dieser sind zusätzlich je nach Kanton unterschiedliche weitere Noten (Maturaarbeit, Philosophie etc.) enthalten.

Schweizerische Maturitätsprüfung

Während die herkömmlichen Prüfungen von Schule zu Schule unterschiedlich sind und meist sogar von Lehrer zu Lehrer, bietet sich die Möglichkeit, die Maturaprüfung auf nationaler Ebene zu absolvieren (Schweizerische Maturitätsprüfung).[3] Wer keinen gymnasialen Lehrgang besucht hat (Erwachsene), kann die Matur ausserhalb einer Maturitätsschule bei der Schweizerischen Maturitätskommission absolvieren. Die Vorbereitung auf diese Prüfungen erfolgt im Selbststudium oder in einem einjährigen Kurs an staatlichen oder privaten Schulen. Die Maturitätsprüfung wird dann extern vor fremden Experten abgelegt. In der Schweiz absolvieren pro Jahr ungefähr 400 Personen das Schweizerische Maturitätsexamen mit Erfolg.

Benotung

In der Schweiz ist Note 6 die Beste, 1 die schlechteste Note, mit 60 % der richtigen Antworten erhält man eine 4 - die erste genügende Note. Dabei gilt häufig die Formel:

\frac \text{erreicht}\text{maximal}*5+1= \text{Note}

Von Kanton zu Kanton sind die Verordnungen über die Benotung leicht anders. Jedoch zählt in jedem Fach jeweils der Schnitt von Vorschlagsnote und Prüfungsnote, auf eine ganze Note aufgerundet. Wie in jedem einzelnen Fach geprüft wird, sieht man auf der folgenden Tabelle (in anderssprachigen Teilen der Schweiz ist die erste/zweite Landessprache logischerweise anders):

Fach mündlich schriftlich
Erste Landessprache Ja Ja
Zweite Landessprache (fra/ita) Ja Ja
Zweite Fremdsprache (eng/gri) Ja Nein
Mathematik Ja Ja
Schwerpunktfach Ja Ja
Ergänzungsfach Nein Ja

Nebst diesen Prüfungsfächern zählen auch bereits in der 1., 2. oder 3. Klasse abgeschlossene Fächer wie Bildnerisches Gestalten oder Musik mt Instrument.