Die Matura in Südtirol

Die Reifeprüfung (sprich: Matura) wird nach Abschluss der 13. Schulstufe (5. Klasse Oberschule) abgelegt. Die Absolventen sind die Maturanten.

Die lateinische Bezeichnung "Matura" für die Reifeprüfung bzw. das Abschlusszeugnis ist nur noch umgangssprachlich im Gebrauch; der offizielle Name lautet schlicht "Reifeprüfung" oder formeller: "Staatliche Abschlussprüfung". Die Prüfung wird in der Schule abgenommen, die der Schüler zuletzt besucht hat. Prüfungsgegenstand sind dabei drei schriftliche Prüfungen, sowie eine fächerübergreifende, abschließende mündliche Prüfung. Grundsätzlich umfassen die Prüfungen alle Fächer des abgelaufenen Schuljahres.

Die Reifeprüfung wird im Allgemeinen an der Schule abgenommen, die der Schüler zuletzt besucht hat. Die Abnahme erfolgt dabei durch sechs Lehrer, die sich in der Prüfungskommission befinden und einen externen Prüfungspräsidenten (üblicherweise ein Direktor einer anderen Oberschule)

Zulassung

Seit der Reform des Systems im Schuljahr 1998/99 wird jeder Schüler, der das 13. Schuljahr absolviert und in allen Fächern eine positive Beurteilung erfahren hat, zur Prüfung zugelassen. Einzige Ausnahme sind Schüler, die aufgrund nicht abgelegter Schularbeiten, nicht klassifiziert werden. Teilnahmeberechtigt sind weiterhin auch Schüler der 12. Jahrgangsstufe, wenn diese in sämtlichen Fächern eine Note über 8 (gut) erreicht haben.

Weiters können auch Privatisten (Externe) zur Prüfung antreten, wenn sie hierfür rechtzeitig ein Gesuch (Antrag) gestellt haben.

Ablauf

Die Abschlussprüfung besteht aus vier Teilen. Drei schriftlichen Prüfungen und einer mündlichen Abschlussprüfung.

  • Erste schriftliche Prüfung: Diese umfasst eine sechsstündige Arbeit in Deutsch für die deutsche Schule und italienisch für die italienische Schule. Dabei stehen insgesamt drei Typen zur Auswahl: Eine Textanalyse, ein Essay bzw. ein Bericht, oder eine Erörterung. Die Themen werden jeweils zum Teil vom Schulamt in Rom, sowie dem Schulamt der Südtiroler Landesregierung vorgegeben.
  • Die zweite schriftliche Prüfung umfasst ebenfalls eine 6-stündige Arbeit, der Inhalt ist jedoch von Schule zu Schultyp zu Schultyp verschieden und umfasst ein Hauptfach des jeweiligen Schultyps. Das Prüfungsfach wird mehrere Monate vor der Prüfung bekannt gegeben. Mögliche Fächer sind zum Beispiel Griechisch, Latein, Mathematik, Betriebswirtschaftslehre, Elektronik und Informatik.
  • Die dritte schriftliche Prüfung wird in Südtirol zweigeteilt. An unterschiedlichen Tagen findet je eine 3-stündige Prüfung statt. Der erste Teil umfasst eine Prüfung, die in einer Zweitsprache abgelegt werden muss: also Italienisch für die Kandidaten der deutschsprachigen Schulen Südtirols und Deutsch (oder eine andere Fremdsprache) für die der italienischen Schulen.

    Der zweite Teil umfasst ein Fächerbündel und sie wird von den Lehrern der Abschlussklasse zusammengestellt. Üblicherweise werden dabei Themen die noch nicht durch die schriftlichen Prüfungen abgedeckt sind behandelt. Diese Prüfung kann auch in Form von Multiple Choice abgelegt werden.
    Die Gesamtpunktezahl ergibt sich aus dem arithmetischen Mittel der beiden Prüfungen.

  • Abschließend erfolgt eine mündliche Prüfung (Prüfungsgespräch), dabei werden stichprobenartig Fragen zu sämtlichen Fächern gestellt. Diese Prüfung kann auf Wunsch des Kandidaten mit einem Referat des Kandidaten eingeleitet werden (dabei ist die Dauer des Vortrags auf zehn Minuten beschränkt). Entscheidet sich ein Prüfungskandidat dafür, muss er sein Fachthema schriftlich ausarbeiten und vor Schulende der Kommission vorlegen. Dem Kandidaten stehen drei Varianten zur Wahl:

  • Das vertiefte Thema behandelt ein auf ausführlichere Art und Weise ausgearbeitetes Thema des abgelaufenen Schuljahres. Die schriftliche Dokumentation dazu umfasst wenige Seiten.
  • Die Facharbeit erarbeitet ausführlich ein beliebiges Thema, die Dokumentation dazu umfasst eine größere Anzahl an Seiten (üblicherweise ergeben sich Längen zwischen 30 und 80 Seiten).
  • An Gewerbeoberschulen kann zusätzlich auch ein erarbeitetes Projekt vorgestellt werden. Auch hier ist Thema und Form frei wählbar, für gewöhnlich entspricht das Projekt allerdings den durch die Schule vermittelten Fachkenntnissen (zum Beispiel elektronische Projekte wie Roboter, oder entwickelte Programme).

Benotung

Die Schlussnote der Prüfung wird in Hundertsteln ausgedrückt. Zum Bestehen der Prüfung sind zumindest 60/100 nötig, Höchstnote sind 100/100. Die Punktezahlen ergeben sich wie folgt:

  • 15 Punkte für jede der drei schriftlichen Arbeiten, also insgesamt 45 Punkte. Genügend bewertete Arbeiten erhalten zumindest 10 Punkte.
  • Die mündliche Prüfung kann mit maximal 35 Punkten bewertet werden. Ein positiv bewertetes Gespräch wird mit mindestens 22 Punkten benotet.
  • Jeder Kandidat kann in seiner schulischen Laufbahn bis zu 20 Punkte für das so genannte "Bildungsguthaben" sammeln. Diese Punkte ergeben sich aus den Notenschnitten des 11. - 13. Schuljahres. Maximal werden in der 11. und 12. Klasse 6 Punkte vergeben, in der 13. 8 Punkte.

Statistiken

Im Schuljahr 2004/2005 legten in Südtirol 2935 reguläre Kandidaten und 199 Privatisten (externe Prüflinge) die Abschlussprüfung ab. Italienweit sind es über 480.000. Davon schaffen rund 97 % die Prüfung, von den Privatisten nach einer vorangegangenen Abendschulausbildung immerhin 85 %.