Kritik an der Waldorfschule

Qualifikation der Waldorflehrer

Im Gegensatz zu staatlichen Schulen ist an Waldorfschulen eine universitär-wissenschaftliche Ausbildung keine Voraussetzung für Lehrer. Je nach angestrebtem Berufsziel können Personen, die statt eines Lehramtstudiums eine Ausbildung auf einem so genannten "Institut für Waldorfpädagogik" durchlaufen haben, eine Anstellung als Waldorflehrer erhalten. Methodisch-didaktische Fragestellungen werden dabei in der Waldorfausbildung genau so wenig verpflichtend behandelt wie wissenschaftlich abgesichertes Fachwissen vermittelt wird; es gehe vielmehr um die "Erkenntnis des Menschenwesen", also um die anthroposophische Weltsicht.

Obwohl vom Gesetzgeber her eine der Ausbildungssituation für staatliche Schulen "gleichartige oder im Wert gleichkommende" Lehrerausbildung für Ersatzschulen eingefordert wird, können je nach bundeslandspezifischer Regelung an Waldorfschulen somit auch Personen unterrichten, die keinerlei universitär-wissenschaftliche Ausbildung durchlaufen haben. Dieses wird von der Schulaufsichtsbehörde für einige Fächer (z. B. Handwerken) gebilligt. Unterricht an Waldorfschulen von Lehrkräften ohne Genehmigung der Schulaufsichtsbehörden ist in Deutschland nicht möglich.

Anthroposophische Grundannahmen

Aufgrund der ihr zugrunde liegenden Anthroposophie steht die Waldorfpädagogik immer wieder in der Kritik. Angeprangert werden hierbei ihre Überzeugungen bezüglich Reinkarnation und Karma (Dr. Detlef Hardorp, Sprecher der Waldorfschulen in Berlin-Brandenburg: "Wir haben Respekt vor dem, was der Mensch bei seiner Geburt aus anderen Sphären mitbringt."), die Theorien über die sogenannten Wurzelrassen, welche von Kritikern aufgrund ihrer angeblichen Hierarchisierung von Rassen als rassistisch bezeichnet werden und nicht zuletzt die oft als pseudowissenschaftlich und esoterisch angesehenen Ausführungen Rudolf Steiners, auf welche sich die Waldorfpädagogik beruft.

Rassismus

Erst im Jahre 2001 distanzierten sich die deutschen Waldorfschulen von dem 1936 erschienenen Buch "Atlantis und das Rätsel der Eiszeitkunst" des Steiner-Schülers Ernst Uehli, das das Bundesfamilienministerium wegen einzelner als rassistisch auslegbarer Passagen auf den Index jugendgefährdender Schriften setzen lassen wollte. Walter Hiller, Geschäftsführer des Bundes der freien Waldorfschulen, begründete das Vorgehen gegenüber AFP mit den Worten "Wir finden das Buch nicht gut", betonte gleichzeitig, dass es sich nicht um ein Lehrbuch für Waldorflehrer handele, sondern "nur auf einer Literaturliste" stehe. So wurde die "höchst fragwürdige waldorfpädagogische Handreichung" noch 1998 von der Pädagogischen Forschungsstelle der Waldorfschulen für den Geschichtsunterricht in der fünften Klasse empfohlen.

Starker Einfluss des Klassenlehrers

Die Kritik an der absolutistisch anmutenden Rolle des Klassenlehrers bringt der ehemalige Lehrer an einer Waldorfschule und Buchautor Paul-Albert Wagemann zum Ausdruck. Die lange Klassenlehrerzeit von der 1. bis zur 8. Klasse, die von manchen Klassenlehrern abgehaltenen regelmäßigen Hausbesuche sowie der stark an der Persönlichkeit des Lehrers orientierte Unterricht (der zum Beispiel am Verzicht auf Lehrbücher deutlich wird), lassen den Klassenlehrer als "Vaterfigur" erscheinen.

Verzögerung des Übergangs in die Leistungsgesellschaft

Nicht zuletzt wird der Verzicht auf Ziffernoten in den unteren Klassenstufen kritisiert, da es nur ein Aufschub des unvermeidlichen Übergangs in die Leistungsgesellschaft sei. Schüler stünden somit aufgrund des vorigen Schonraums vor einer noch schwereren Herausforderung. Weiterhin wird kritisiert, die sanfte, behütete Welt, in der Künstliches verpönt sei, entspräche kaum noch den Erfahrungen heutiger Heranwachsender. Bisher haben sich die Waldorfschulen nicht dem Leistungsvergleich mit anderen Schulen im Rahmen der PISA-Studie gestellt.

Reaktion der Waldorfschulen

Die Waldorfschulen reagieren auf kritische Vorstöße sehr unterschiedlich. In den letzten Jahren wird versucht, Rudolf Steiner zu hinterfragen und den Unterricht für neue Medien zu öffnen. Der Bund der Freien Waldorfschulen ist bemüht, das Image der "Öko-Kuschelpädagogik" abzulegen. Da jede Waldorfschule eigenständig handelt, sich in freier Trägerschaft selbst verwaltet und nicht von einer übergeordneten Instanz – außer den Schulbehörden – kontrolliert wird, können Lehrerkollegien und einzelne Lehrer von der Meinung des Bundes der freien Waldorfschulen oder den in der Anthroposophischen Gesellschaft vertretenen Auffassungen abweichen. Es existiert ein allgemein abgestimmter "Waldorflehrplan", wobei die individuelle Ausgestaltung jedoch in der Verantwortung jeder Schule und jedes einzelnen Lehrers und nicht zuletzt der Eltern liegt.

Verschiedentlich wird berichtet, dass sich der Bund der Freien Waldorfschulen gegen möglicherweise kritische Betrachtungen der Waldorfpädagogik teilweise schon im Vorfeld durch "Gerichtsverfahren, Gegendarstellungsbegehren und Unterlassungsansprüche" und andere Maßnahmen wehre.