Angelsächsischer Raum
Nordamerika
In den USA und Kanada unterscheidet man zwei Arten von Doktorgraden,
   * Professionelle Doktorgrade, die in manchen Studiengängen nach Abschluss vergeben werden, zum Beispiel "Medical Doctor" (Abk.: M.D.),
   * Forschungsdoktorgrade, die aufgrund eines Promotionsverfahrens vergeben werden, wie
         o Ph.D., wobei das Promotionsfach angegeben wird, zum Beispiel "Doctor of Philosophy in Chemistry" (Abk.: Ph.D. in Chemistry bzw. Ph.D.). Einige Universitäten vergeben diesen Grad auch in der Schreibweise "DPhil".
         o Doktorgrade für bestimmte Studiengänge, die nicht zum Ph.D. führen, zum Beispiel "Doctor of Business Administration" (Abk.: D.B.A.).
         o In Theologie als gehobener, meist nur ehrenhalber auf Grund besonderer Leistungen verliehener Doctor (of) Divinity (DD)
Der angloamerikanische Doktorgrad wird hinter dem Namen getragen, etwa Jerry F. Fishwish, Ph.D.. Im Gebrauch als Anrede steht der Dr. vor dem Namen, ohne den Zusatz Ph.D.
Australien
Im australischen universitären Bildungssystemen ist das Ziel der Dissertation "der hoch qualifizierte Beitrag der fertigen Dissertationsschrift zur aktuellen Forschung" durchaus mit den europäischen vergleichbar, der Weg dorthin jedoch verschieden.
Ein Doktorat in Australien ist eine rein wissenschaftliche Forschungsarbeit über circa drei Jahre. Sie gliedert sich in drei Phasen, wobei die erste Phase die "Ausarbeitung" ist, die zweite Phase die "Durchführung" eines Programms sowie die dritte Phase der "Niederschrift" mit Darlegung des wissenschaftlichen Problems, der Methodik und der wissenschaftlichen Erkenntnis. Die gesamte akademische Arbeit erfolgt sehr selbstständig durch den Promovierenden. Die Betreuer des Dissertationsvorhabens beschränken sich ausschließlich auf eine lenkende Funktion. Auftretende Fehler sind erwünscht und werden in wissenschaftlicher Manier ausdiskutiert. Förderlich ist hier auch der Ansatz, dass die Dissertation nicht ausschließlich im Institut stattfindet.
Der Fortgang der Arbeit und die qualitative wissenschaftliche Auseinandersetzung werden zielgerichtet geplant. Nach je einem Drittel der Zeit wird der Stand der Arbeit durch ein Komitee in Form der "confirmation" sowie des "progress report" geprüft. Die fertige Dissertationsschrift wird durch zwei anonyme Gutachter bewertet. Die positive Beurteilung bedeutet den erfolgreichen Abschluss der Arbeit.
Dissertationen werden hauptsächlich über Stipendien finanziert, die von der Universität, dem Staat oder durch Forschungseinrichtungen gestellt werden. Die Stipendien dürfen untereinander kombiniert werden und Aufstockungen durch Projektgelder sind möglich. Eine ausschließliche Finanzierung über Projektgelder ist jedoch nicht üblich, da die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit der Studierenden bewahrt werden soll. Über die Stipendien hinaus, steht allen Studierenden ein jährliches Budget zur Verfügung, das beispielsweise für den Besuch von nationalen Kongressen verwendet werden soll. Die Universitäten fördern zudem den Aufbau von Kontakten, eines wissenschaftlichen Netzwerks, um Perspektiven für die Zukunft zu schaffen.
West-Europa
Italien
In Italien gibt es im Wesentlichen drei Arten von akademischen Graden: 'laurea', 'laurea magistrale' und 'dottorato di ricerca'. Kurzstudiengänge mit einer Dauer von 2-3 Jahren schließen mit der 'laurea' ab. Nach etwa 2 weiteren Jahren der Spezialisierung kann die Prüfung zur 'laurea magistrale' abgelegt werden. Laut Gesetz sind Studienabsolventen berechtigt, den Titel 'dottore' ('laurea') bzw. 'dottore magistrale' ('laurea magistrale') zu führen, der allerdings nicht der Promotion (Dr. oder PhD) entspricht. Das Äquivalent zum Doktor oder PhD ist der 'dottore di ricerca' (Forschungsdoktor), der nach 'laurea magistrale' und anschließender Forschungsarbeit (ca. 3 Jahre) verliehen wird.
Deutschsprachige Studienabsolventen (Südtirol) führen häufig Übersetzungen des italienischen 'dottore' als Namenszusatz (zum Beispiel Dr., Dr.-Ing., Doktorat in (Fachgebiet), Doktor), die aber nicht den gleichlautenden akademischen Graden im restlichen deutschen Sprachraum entsprechen und in dieser Form nicht von Hochschulen in Italien verliehen werden. Die Übersetzung von 'dottore' in 'Doktor' verstößt zwar gegen italienisches Recht, ist aber eine in Südtirol seit Jahrzehnten weit verbreitete Gewohnheit.
Niederlande
Im Niederländischen gibt es den Titel doctorandus (drs.), der irreführen kann: Es handelt sich um den gängigen Studienabschluss in den Geisteswissenschaften, der einst so genannt wurde, da man eine anschließende Promotion zum Doktor erwartete. Im Englischen wird er mit Masters of Arts wiedergegeben. Inzwischen aber haben die Niederlande sich komplett auf das Bachelor/Master-System umgestellt. Das doctoraal examen ist auch der Studienabschluss für die Juristen (meester in de rechten, mr.) und die universitär ausgebildeten Ingenieure (ingenieur, ir.).
Bei einer Promotion verleiht die jeweilige Fakultät den Grad doctor (dr.), der vor dem Namen geführt wird. Eine Bezeichnung des Studienfachs (etwa "phil." oder "rer. nat.") gibt es nicht. Besonders gute Dissertationen können mit einer Promotion cum laude belohnt werden. Eine Habilitation ist unbekannt, ein Promovierter oder eine Promovierte kann direkt Professor werden.
Im Niederländischen ist die Assoziation von doctor mit einem Arzt besonders stark, wobei es irrelevant ist, ob der betreffende Arzt promoviert hat. Allerdings wird die Anrede in so einem Fall dokter geschrieben.
Belgien
In Belgien ist der Grad doctor
   * beim Arzt ein gesetzlicher Titel - die Ausbildung beträgt sieben Jahre und man erhält ihn nach einer Prüfung;
   * bei den Rechten, den Humanwissenschaften und der Philosophie ein gesetzlicher Titel, den man durch eine Promotion mit einer Dissertation erlangt;
   * in der Theologie und im Kirchenrecht sowie in anderen Wissenschaften (z.B. Politikwissenschaft, Pädagogik) ein wissenschaftlicher Titel, ebenfalls mit Dissertation.[1]
Skandinavien (Dänemark, Norwegen, Schweden)
In Skandinavien ist der Doktorgrad der höchste akademische Grad. Die unter anderem in Deutschland, Österreich und der Schweiz übliche Habilitation existiert nicht. Ein Doktorgrad qualifiziert formell für Lehrstühle an Universitäten. Zwischen der Dauer und Qualität der Doktorarbeiten in Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland bestehen einige Unterschiede. Während in Schweden ein Doktorand ca. fünf Jahre neben der Belegung von Pflichtkursen ein wissenschaftliches Problem bearbeitet, sind hierfür in Norwegen seit 2003 typischerweise drei Jahre vorgesehen (davor in der Regel vier Jahre).
Ost-Mitteleuropa und Osteuropa
Polen
In Polen ist ein 3- bis 5-jähriges Doktoratsstudium üblich, aber nicht zwingend. Rigorosum und öffentliche Verteidigung sind Pflicht. Den Promovierten wird der Doktorgrad doktor, abgekürzt: dr (vor dem Namen zu führen), zuerkannt. Der Doktorgrad enthält eine Angabe des absolvierten Fachgebietes, beispielsweise doktor nauk ekonomicznych (dt:Wirtschaftswissenschaften).
Tschechien und Slowakei
Die Doktorgrade sind in beiden Ländern aufgrund des bis 1992 gemeinsamen Staates weitgehend identisch. Die rechtlichen Grundlagen hierfür bilden das tschechische Hochschulgesetz 111/1998 vom 22. April 1998[2] und das slowakische Hochschulgesetz 131/2002 vom 21. Februar 2002[3]. Man kann die tschechischen und slowakischen Doktorgrade im Grunde in vier Gruppen aufteilen:
Die tschechische Version der einzelnen Grade ist zuerst angegeben, die slowakische als zweite; bei nur einer Originalbezeichnung ist der Name in beiden Sprachen gleich oder der Grad kommt nur in einem Land vor.
   * Doktorgrade medizinischer Studienrichtungen, sog. "Berufsdoktorate" (ähnlich wie in den USA oder Österreich), die mit dem Abschluss des Studiums ohne zusätzliche Promotionsleistung vergeben werden. Diese Grade dürfen deshalb in Deutschland nicht als "Dr.", sondern nur in der Originalform (ohne Herkunftszusatz) geführt werden. Dazu zählen die Grade MUDr. - Doktor der Humanmedizin (doktor medicÃny), MDDr. - Doktor der Zahnmedizin (doktor zubnà medicÃny, doktor zubnej medicÃny) und MVDr. - Doktor der Veterinärmedizin (doktor veterinárnà medicÃny, doktor veterinárskej medicÃny).
   * Doktorgrade, die in einem Promotionsverfahren nach einem Rigorosum verliehen werden. Dieses Rigorosum besteht aus der Verteidigung einer Doktorarbeit und dem Ablegen einer Prüfung in zwei weiteren Fächern. Es handelt sich um folgende Doktorgrade JUDr. - Doktor der Rechtswissenschaften (doktor práv), PaedDr. - Doktor der Erziehungswissenschaften (doktor pedagogiky; nicht mehr in Tschechien), PharmDr. Doktor der Pharmazie (doktor farmacie, doktor farmácie), PhDr. - Doktor der Philosophie (doktor filozofie), RNDr. - Doktor der Naturwissenschaften (doktor prÃrodnÃch ved, doktor prÃrodných vied) und ThDr. Doktor der Theologie (doktor teologie, doktor teológie). Zulassungsvoraussetzung zu dem Promotionsverfahren ist ein abgeschlossenes Magisterstudium oder ein ausländisches Äquivalent wie etwa ein Diplomabschluss. Diese Doktorgrade können in Deutschland in der verliehenen Form und seit dem EU-Beitritt beider Länder ohne Herkunftszusatz geführt werden. Über das Führen dieser Grade in der Bundesrepublik Deutschland als "Dr.", im Sinne des Beschlusses der Kultusministerkonferenz vom 21. September 2001[4], sind sich die Kultusministerien der Länder derzeit nicht einig, da die KMK das Promotionsverfahren gegenwärtig als "nicht in Zusammenhang mit wissenschaftlicher Arbeit und eigenständiger wissenschaftlicher Forschung" einschätzt. Die seitens der deutschen Behörden[5] oft verwendeten Bezeichnungen "kleines Doktorat" oder "Hochschuldoktorat" sind tendenziös und kommen in den betreffenden Gesetzetexten der beiden Ursprungsländer nicht vor.
   * Doktorgrade, die nach einem i. d. R. dreijährigen Promotionsstudium, auch Doktorandenstudium genannt, erlangt werden. Die Promotionsstudiengänge umfassen regelmäßige Lehrveranstaltungen und Examina und werden mit der Verteidigung einer Dissertationsarbeit abgeschlossen. Nach einem erfolgreichem Abschluss erhält man den Doktor, abgekürzt als Ph.D., in der Slowakei als PhD., den Doktor der Theologie, abgekürzt als Th.D. bzw. als ThD. und den slowakischen Doktor der Künste ArtD. Das frühere Äquivalent, der Grad des Kandidaten der Wissenschaften (kandidát ved, kandidát vied) kurz CSc., wird nicht mehr verliehen.
   * Außerdem wird noch relativ selten von der jeweiligen Akademie der Wissenschaften der Grad des Doktors der Wissenschaften, abgekürzt als DSc., früher als DrSc., verliehen. Diese Doktorwürde gilt als der höchste akademischer Grad.
In Österreich werden sämtliche akademischen Grade, die in Tschechien und der Slowakei (wie auch im übrigen Ausland) erworben wurden, in der verliehenen Form geführt.
Ukraine
In der Ukraine ist ein 3 bis maximal 6-jähriges Doktoratsstudium üblich, oft als postgraduales Studium. Prüfungen sowie das Erstellen einer Doktorarbeit, die öffentlich verteidigt werden muss, sind die Inhalte dieser Studiengänge. Bei erfolgreichem Abschluss wird der akademische Grad "Kandidat nauk" (Kandidat der Wissenschaften) vergeben. Er ist vergleichbar mit dem internationalen Abschluss Ph.D.. Aufbauend darauf besteht die Möglichkeit, den höchsten in der Ukraine zu vergebenden Grad "Doktor nauk" zu erwerben. Dieser Grad ist mit einer Habilitation vergleichbar. Die Habilitationsarbeit sollte einen Beitrag zur Weiterentwicklung innerhalb eines bestimmten Forschungsgebiets leisten und vollständig bzw. in wichtigen Teilen veröffentlicht werden.
Ungarn
In Ungarn ist seit 1993 ein drei bis fünfjähriges Doktoratsstudium üblich, was zum einheitlichen Doktorgrad "doktor", entweder abgekürzt als Ph.D. oder, in künstlerischen Studiengängen, abgekürzt als DLA (Doctor of Liberal Arts), führt und das Universitätsdoktorat "doctor universitatis" abgelöst hat. In Ungarn ist der Doktorgrad ein obligatorischer Bestandteil des Familiennamens.
Außerdem bestehen medizinische und juristische Berufsdoktorate.
In Deutschland kann der ungarische Ph.D. und DLA auch als Dr. ohne Namenszusatz geführt werden, die Berufsdoktorate und der das frühere Universitätsdoktorat ausschließlich in der verliehenen Form mit zusätzlicher Angabe der verleihenden Institution.