Möglichkeiten eines Auslandsstudiums

Man kann im Ausland einerseits in einer Fremdsprache und andererseits auf Deutsch studieren. Viele Universitäten außerhalb des angelsächsischen Sprachraums richten Studiengänge ein, die komplett in Englisch abgehalten werden, so dass es nicht mehr unbedingt erforderlich ist, die Landessprache des Gastlandes zu beherrschen, um dort zu studieren und einen Abschluss zu erlangen.

2004 wählten deutsche Studenten im Ausland zu etwa 30 % Deutsch als Unterrichtssprache, zu etwa 30 % Englisch, zu etwa 10 % Französisch und zu etwa 10 % Spanisch. 20 % entschieden sich für andere Sprachen. Die zunehmende Tendenz zum Auslandsstudium in deutscher Sprache hat folgende Ursachen:

  • Immer mehr ausländische Universitäten richten deutschsprachige Studiengänge ein.
  • Deutsche Studenten wollen ausländischen Vorlesungen folgen können.
  • Deutsche Studenten wollen Klausuren im Ausland mit besseren Noten als bisher abschließen.
  • Deutsche Studenten wollen an ausländischen Forschungsprojekten gleichberechtigt teilnehmen können.
  • Durch Zulassungsbeschränkungen (Numerus Clausus) an deutschen Universitäten konnte im Inland kein Studienplatz erlangt werden. Im Ausland war dagegen ein Studienplatz nach einem anderen Auswahlverfahren erhältlich (Beispiel: Medizin in Ungarn)

Mittlerweile gibt es außerhalb des deutschen Sprachraums über 700 deutschsprachige Studiengänge. Man findet sie in vielen Ländern, so zum Beispiel in Finnland, China, Ungarn oder den USA. Diese Studiengänge sind weitgehend unbekannt, obwohl sie angesichts der momentanen Bildungsdebatte eine herausragende Rolle spielen.

Die Angebote bieten deutschsprachigen Studenten die einzigartige Möglichkeit, weltweit Auslandserfahrung zu sammeln und gleichzeitig ein internationales Studium ohne sprachliche Hürden bei Vorlesungen und Klausuren zu absolvieren.

Allein das Fach Betriebswirtschaft kann weltweit an über 40 verschiedenen Hochschulen auf Deutsch erlernt werden. Jura wird beispielsweise über 20-mal angeboten. Sogar so etwas Spezielles wie deutschsprachige Medien-Studiengänge findet man gleich 10-mal im Ausland.

In Österreich und der Schweiz findet man natürlich ebenfalls zahlreiche deutschsprachige Studienmöglichkeiten.

Für Studenten, die in Deutschland einen Abschluss anstreben, stellt sich häufig die Frage, ob danach ein weiterer Abschluss im Ausland angestrebt werden soll, oder ob nur ein oder zwei Austauschsemester ohne Abschluss das Ziel sind. Der Austausch über Programme wie ERASMUS oder SOKRATES führen häufig zum Wegfall der Studiengebühren, aber häufig auch dazu, dass kein ausländischer Abschluss erworben wird.

Anders in Ländern mit gestuften Studiensystemen wie zum Beispiel Frankreich. Hier ist es leicht, nach dem Vordiplom oder der Zwischenprüfung ins Jahr der Licence oder nach 6 Semestern mit den entsprechenden Leistungen von zwei Hauptseminarscheinen in das Jahr der Maitrise eingestuft zu werden und den entsprechenden Abschluss zu machen, der seinerseits wieder auf das deutsche Endexamen angerechnet werden kann.
Portrait Linus Pauling bei der Graduierung USA 1922
Portrait Linus Pauling bei der Graduierung USA 1922

Absolventen der Maitrise kann im Allgemeinen die Deutsche Abschlussarbeit, beispielsweise die Abschlussarbeit im Staatsexamen, und ein Hauptseminarschein erlassen werden. Eine Zulassung zur Promotion ist ebenfalls direkt möglich. Auch im angelsächsischen System ist eine doppelte Integration der Studien möglich: Studierende aus dem deutschen System werden mit Vordiplom/Zwischenprüfung und zwei Semestern in den USA zu Graduate Studies, also zum einjährigen Studium für den Master zugelassen. Man kann hier , vor allem in den Geisteswissenschaften auch oft optional einen Master mit Thesis (Abschlussarbeit) machen.

Genaue Information und Absprachen mit Prüfungsämtern und Professoren der Heimathochschule und der Gasthochschule sind angeraten.