Fortschritte des Bologna-Prozesses

Nichtsdestoweniger sind in vielen Bereichen bereits erhebliche Fortschritte bei der Umsetzung der Reformen erkennbar, so z.B. bei der formalen Einführung gestufter Studiengänge und des ECTS. In anderen Bereichen, vor allem bei den Qualifikationsrahmen, den Anerkennungsmethoden und der Berufsbefähigung, müssen bis zur politischen Zielmarke im Jahr 2010 noch deutliche Anstrengungen unternommen werden. Es ist deshalb schwer abzuschätzen, ob die Bologna-Ziele fristgerecht erreicht werden können. Durch die laufende Erweiterung des Bologna-Raumes wird eine Umsetzung zumindest in den neuen Mitgliedstaaten zu diesem Zeitpunkt nicht vollendet sein können. Die Mehrzahl der Experten geht davon aus, dass dort der Prozess weitere fünf bis zehn Jahre andauern wird. Eine formale Umstellung auf BA/MA-Abschlüsse ist in Deutschland bis zum Ende des Jahrzehnts aber zu erreichen und eine Akkreditierungsstruktur bereits jetzt verankert. Schließlich zeigen erste Studien, dass Bachelor-Absolventen schon jetzt gute Berufsangebote erhalten und von der Wirtschaft positiv aufgenommen werden.

Derzeit ist das Verfahren, das zur Akkreditierung neu geschaffener Studiengänge eingesetzt wird, in Deutschland wieder umstritten. Die Einzelakkreditierung erscheint bei der Vielzahl von Studiengängen nicht ökonomisch, da jeder Akkreditierungsvorgang umfangreiche Prüfungen von Gutachtern und Fachexperten umfasst. Daher werden Verfahren diskutiert, bei denen mehrere Studiengänge zugleich geprüft werden oder - als neueste Entwicklung - eine Hochschule durch den Nachweis funktionierender interner Qualitätssicherungsmaßnahmen nur eine kleine Stichprobe ihrer Studiengänge zur vollständigen Prüfung bringt und die Akkreditierung sich auf die Frage konzentriert, ob die Hochschule die Voraussetzungen geschaffen hat, um die Qualität und Zielorientierung der von ihr angebotenen Studiengänge entsprechend des vereinbarten Qualifikationsrahmens gewährleisten zu können. Hierzu zählen eine glaubwürdige Philosophie (Leitbild, Hochschulprofil oder vergleichbar), systematische und personell angemessen unterfütterte Verfahren zur (Lehr-)Evaluation sowie ausreichende und zielorientierte Angebote und Konzepte zur kontinuierlichen Qualitätsentwicklung ("Iteration") durch Personalentwicklung, Qualitätszirkel und interne Maßnahmenprogramme.