Studienabschnitte und Lehrveranstaltungen

In den ersten 2-4 Semestern werden -- nach einer kurzen Einstiegsphase (Überblick zu Studium und späteren Berufsarten) -- die Grundlagen des gewählten Studienfaches gelegt bzw. die Kenntnisse aus der Mittelschule vertieft. Für Naturwissenschaften und Technik sind dies z.B. Höhere Mathematik, Physik und etwas Verwaltungsrecht, bei vielen Geisteswissenschaften und Sprachstudien Latein (siehe auch Grundlagenwissenschaften).

Überwiegend werden die Lehrveranstaltungen in Form von Vorlesungen, Übungen und Seminaren abgehalten, wobei der Name "Vorlesung" auf die bis etwa 1600 verbreitete Form zurückgeht, aus anerkannten Werken vorzutragen. Heute ergänzen die meisten Hochschullehrer ihren (vorwiegend freien) Vortrag durch Skripte, was zwar die früheren Mitschriften erübrigt und Zeit für gezielte Notizen lässt, aber auch zu gewisser Verschulung führt (siehe auch Massenuniversität). In den Übungen wird der Lehrstoff durch praktische Anwendung, Demonstrationen oder Labors vertieft, in Seminaren anhand von ausgewählten Themen erörtert und diskutiert. In beiden Lernformen ist die aktive Mitarbeit der Studenten gefordert und daher auch - im Gegensatz zu den Vorlesungen - ihre Anwesenheit (als Minimum gelten durchschnittlich 65-75%). In naturwissenschaftlichen Studiengängen werden beispielsweise Berechnungs- und Laborarbeiten durchgeführt, in den geisteswissenschaftlichen Fächern beteiligen sich die Studenten vorwiegend mit Referaten. Weiters führen viele Studiengänge Exkursionen zu Fachbetrieben durch, und technische Fächer auch Feldübungen.

Im zweiten, spätestens dritten Studienjahr beginnen einige Überblicks-Vorlesungen zu den Hauptthemen des Studienfaches, während im 7. bis 9.Semester die Spezialisierung einsetzt. Geht ein Bakk.-Studienabschnitt voraus, verwischt sich diese Gliederung etwas.

Die Vorlesungen werden i.a. von (Hochschul)-Professoren oder Dozenten gehalten, die sich (meist durch Habilitation) die akademische Lehrbefugnis (Venia legendi) erworben haben. Im Mittelalter wurden im Grundstudium teilweise auch sogenannte Magistri artium (Absolventen der höheren Semester) eingesetzt, was heute nur begleitend (durch Tutoren) möglich ist. Die Übungen, Labors etc, werden i.a. durch Hochschulassistenten abgehalten, die einige Jahre an den Instituten tätig sind und zumeist an ihrer Dissertation arbeiten. Externe Lehrbeauftragte Lektoren, Abteilungsleiter aus Entwicklung und Wirtschaft usw. ergänzen das Lehrangebot der höheren Semester.

Während über den Lehrstoff der einzelnen Vorlesungen in der Regel eine Semester- oder "Einzelprüfung" abzulegen ist (meist Noten 1-5), wird die erfolgreiche Teilnahme an Übungen bzw. Seminaren als "Beurteilung" nach der Mitarbeit, in Ausnahmefällen auch durch ein Kolloquium (Prüfungsgespräch) benotet. Bei einer neuen Mischform "Vorlesungsübung" werden beide Methoden kombiniert.
In der Schweiz finden Prüfungen vornehmlich nach geraden Semestern (also vor den Sommerferien) statt.

Etwa zur Mitte des Studiums wird im Regelfall eine Zwischenprüfung abgelegt, die oft eine fakultätsspezifische Bezeichnung trägt. So legen Mediziner nach der Hälfte ihres regulären Studiums das "Physikum" ab, bevor sie mit dem "Klinikum" beginnen. In anderen Studien war es manchmal üblich, die Visitenkarte nach dieser "ersten Diplomprüfung" mit einem inoffiziellen Titel zu verzieren, bei Technikern z.B. mit "cand.ing."

Zunehmend beteiligen sich Hochschulen an dem European Credit Transfer System (ECTS) teil, einem Punktesystem, das die internationale Vergleichbarkeit - und damit auch Anerkennung - erbrachter Studienleistungen erleichtert. Ein ECTS-Punkt entspricht etwa 1 Semesterwochenstunde.