Verschiedene Wissensdefinitionen

Während es auf den ersten Blick klar zu sein scheint, was Wissen bedeutet, ist es sehr schwer, eine allgemein gültige Definition dafür anzugeben. Für jede bekannte Definition gibt es Fälle, in denen sie offensichtlich nicht das wiedergibt, was wir unter Wissen verstehen.

  • Wissen ist eine vorläufig wahre Zustandsgröße und ein selbstbezüglicher Prozess. Seine Definition verändert es bereits, da diese selbst zum Bestandteil des Wissens wird. Voraussetzung für Wissen ist ein wacher und selbstreflektierender Bewusstseinszustand, der dualistisch angelegt ist. Wissen ist mit Erfahrungskontext getränkte Information. Information ist ein Datenbestandteil, welcher beim Beobachter durch die beobachterabhängige Relevanz einen Unterschied hervorrief. Daten sind etwas, was wahrgenommen werden kann, aber nicht muss. Diese Definition ist im Einklang mit dem Fachgebiet Wissensmanagement und dem DIKW-Modell (en). Letzteres stellt Daten, Informationen, Wissen und Weisheit in einer aufsteigenden Pyramide dar und führt zu Organisational Memory Systems, deren Hauptziel es ist, die richtige Information zur richtigen Zeit an die richtige Person zu liefern, damit diese die am besten geeignete Lösung wählen kann. Damit wird Wissen mit seiner Nutzung verknüpft.
  • Handlungsgrundlage von Informationssystemen - Wissen bezeichnet die Gesamtheit aller organisierten Informationen und ihrer wechselseitigen Zusammenhänge, auf deren Grundlage ein vernunftbegabtes System handeln kann.

Das Wissen erlaubt es einem solchen System – vor seinem Wissenshorizont und mit der Zielstellung der Selbsterhaltung – sinnvoll und bewusst auf Reize zu reagieren.

  • Glaube zu Wissen - Die vielfältigen Ergebnisse der Erkenntnistheorie und der Wissenschaftsgeschichte machen die Aussage plausibel, dass der Mensch immer nur glaubt zu wissen. Immer wieder werden ganze Gebäude des Wissens zum Einsturz gebracht, wenn sich eine Hypothese durch neue Erkenntnisse als tragfähiger erweist als vermeintlich gesicherte Theorien. So wird der Zweifel zu einer der Triebfedern neuen Wissens.
  • Gerechtfertigter wahrer Glaube (GWG oder gerechtfertigte wahre Meinung) - Edmund Gettier zeigte an Beispielen in seinem Aufsatz Is justified true belief knowledge (Gettier-Problem), dass diese Definition unseren Wissensbegriff nicht treffend abzubilden vermag.
  • Reale und imaginäre Objekte, Systeme und Prozesse können gegeneinander abgegrenzt und daher beschrieben und definiert werden. Wissen hingegen ist ein selbstbezüglicher Begriff für eine Gesamtheit und nicht überschaubar. Die Selbstbezüglichkeit zeigt sich in der Tatsache, dass eine Definition des Begriffs Wissen das Wissen selber verändert, weil die Definition ebenfalls Bestandteil des Wissens ist. Es kann daher nur eine Beschreibung der Wirkung von Wissen erfolgen.