Lehre ist die Tätigkeit, bei der ein Wissenschaftler die Methoden der Forschung an Studenten weitergibt und ihnen einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung auf seinem Gebiet vermittelt. Dazu gehört einerseits das Verfassen von Lehrbüchern, in denen er diese Kenntnisse schriftlich niederlegt, andererseits die Vermittlung des Stoffs in unmittelbarem Kontakt mit den Studenten, durch Vorlesungen, Seminare und Praktika. Diese Veranstaltungen organisiert er selbständig und führt gegebenenfalls selbständig Prüfungen durch.
Voraussetzung zur Teilnahme an der Lehre als Student mit Prüfungsanspruch ist die Immatrikulation, die an die Bedingung der Hochschulreife geknüpft ist und je nach Universität und Studienrichtung zusätzlichen Zulassungsbeschränkungen unterliegt (Numerus clausus). Das Studium besteht aus einer Reihe organisatorisch voneinander unabhängiger Veranstaltungen, für die man bei erfolgreicher Absolvierung eine Bestätigungsurkunde bekommt ("Scheine"), sowie einer Abschlussarbeit und/oder -Prüfung, die zu einem berufsqualifizierenden Abschluss und einem akademischen Grad führt. In Deutschland war lange Zeit ein zusammenhängendes Studium die Regel, das in Grund- und Hauptstudium unterteilt war. Mit dem Bologna-Prozess hat sich jedoch das amerikanische System mit Bachelor als vollwertigem Abschluss und Master als zusätzlicher Qualifikation etabliert.
In einer Vorlesung liest der Dozent über ein bestimmtes Thema, meist auf Basis eines Lehrbuchs oder eines eigenen Skripts. Vorlesungen finden an Universitäten in Hörsälen statt. Der Dozent steht dabei den Studenten gegenüber und versucht mit Tafel, Projektor oder Beamer das Thema zu vermitteln. Die eigentliche Erlernung des Wissens findet durch die vorlesungsbegleitenden Übungen statt, die von einem Assistenten des Professors geleitet wird und aus der Bearbeitung von wöchentlichen Übungsblättern besteht, die von Hilfskräften ("Bremser") korrigiert und in einer Übungsstunde besprochen werden (je nach Teilnehmeranzahl mit einer Unterteilung der Studenten in Übungsgruppen). Vorlesungen finden in der Vorlesungszeit wöchentlich mit zwei bis sechs Vorlesungsstunden statt; manchmal gibt es auch ein- bis zweiwöchige Blockveranstaltungen in den Semesterferien. In Einstiegsvorlesungen sind anfänglich bis zu 400 Teilnehmer keine Seltenheit. In der Regel findet eine Prüfung über den Übungsstoff ("Klausur") am Ende der Vorlesung statt, die für das Bestehen der Vorlesung ausschlaggebend ist. Für die organisatorische Gestaltung hat der Dozent jedoch sehr weitgehende Freiheiten und kann Lehrmittel, Zulassungsvoraussetzungen (Zwischenprüfung, wöchentliche Leistungsüberprüfung, Pflichtleistung bei Übungsblättern), Prüfungsform (mündlich, schriftlich), und -inhalt sowie Anwesenheitspflicht frei bestimmen, oder aber auch auf Prüfungen ganz verzichten ("Sitzschein").
Seminare finden unter direkter Beteiligung von Studenten statt. Hier behandelt der Dozent in der Regel nur organisatorische Dinge, sowie gegebenenfalls eine kurze Einführung in das Thema zu Beginn und einen Rückblick am Ende. Der eigentliche Inhalt wird dabei von Studenten selbst erarbeitet und vorgetragen. Seminare während der Vorlesungszeit finden einmal wöchentlich statt, daneben gibt es Blockseminare, bei denen die Vorträge an zwei oder drei Tagen in einem Block gehalten werden. Seminare mit Grundlagen- und Einführungsthemen nennt man Proseminar; sie werden früh im Studium absolviert. Seminare mit mehr spezialisierten Themen, die sich an aktuellen Forschungsveröffentlichungen orientieren, sind Hauptseminare. Seltener finden sich gemischte Seminare, die aus zwei entsprechenden Teilen bestehen. Daneben gibt es Oberseminare, die der Präsentation von Abschlussarbeiten dienen, sowie Forschungsseminare, bei denen Teilnehmer eigene Forschungsergebnisse vorstellen. Neben einem Vortrag ist die Anfertigung einer Seminararbeit über das Thema Voraussetzung für die erfolgreiche Absolvierung des Seminars. Die Teilnehmeranzahl in Seminaren ist gemäß der verfügbaren Zeit auf ein gutes Dutzend begrenzt. Seminare finden in der Regel in Seminarräumen statt, bei denen Dozent und Studenten an einem Tisch sitzen.
Ein Praktikum besteht aus der eigenständigen Erarbeitung eines Themas, meist einzeln, manchmal auch in kleinen Gruppen. Einführungspraktika haben den Zweck, grundlegende praktische Fähigkeiten zum Fachgebiet zu vermitteln, während Fortgeschrittenenpraktika sich mit kleineren Problemen der aktuellen Forschung beschäftigen. Die Praktika bestehen aus dem Lösen der Aufgabe und der Anfertigung einer Ausarbeitung dazu. Die Abschlussarbeit ist dem ganz ähnlich, jedoch ausführlicher und tiefgehender.